Datensammelnde Mülleimer – Wo ist das Problem?

Also dass wir uns nicht falsch verstehen: der Titel ist bewusst so formuliert. Nicht, dass ich nichts gegen Daten sammelnde Einkaufswägen oder gar Daten sammelnde Mülltonnen hätte, ganz im Gegenteil. Aber Hand aufs Herz: ist in der heutigen Zeit der Daten sammelnde Einkaufswagen nicht schon seit Jahren eine schlichte Realität, über die sich noch nie jemand gross aufgeregt hat und die meisten Menschen gar bereitwillig partizipieren? Das ist doch keine Meldung wert.

Stichwort Online Einkauf:

Der virtuelle “Shopping Cart” eines jeden drittklassigen Onlineshops ist genau das, worüber manche gerade diskutieren. Er hat natürlich eine Nummer, mit der jedes Produkt verlinkt wird, das man in den Shopping Cart hineintut.

Es wird weiterhin jeder Klick gemerkt, und bei besseren Shops wahrscheinlich auch, auf welchen Seiten man wie lange verbleibt. Durch seine IP Adresse ist man erkannt. Um den Einkauf abzuschliessen, zahlt man meist per Karte (EC oder Kreditkarte usw.), und gibt bereitwillig seine Zahlungs- und Lieferadresse an. Welche Daten evtl. bei der Anlage eines Kundenkontos noch erhoben werden, liegt am Seitenbetreiber oder der Software.

Daten sammelnde Einkaufswägen im Kaufland sind also schlicht eine Erweiterung der “normalen” Einkaufswägen, im Internet hat das noch keinen gestört.


Stichwort Treue- oder Kundenkarten

Viele Supermärkte bieten diese an. Um eine zu erhalten, muss man sich normalerweise registrieren. Selbstredend werden diese Daten auch gespeichert und analysiert, genau wie die Daten der Einkaufswägen.

Und das sind noch die harmlosesten Ausprägungen. Weitere Beispiele, die ich nicht im Detail ausführe, sind:

Facebook
Kontaktbörsen (Freundschaft / Sex)
(Sex) Tube Seiten

In derlei Seiten stellen Menschen z.T. ihr intimstes zur Schau, für die gesamte Welt offen zugänglich – und das freiwillig und oft auch mit grossem Eifer.

In der aktuellen Debatte um NSA, BND, Geheimdienste und Abhöraffären kann man sich leicht vorstellen, dass man z.B. Geheimdienstmitarbeiter nicht unbedingt zu seinen Freundeslisten hinzugefügt haben muss, damit diese auf private oder nur für Online-Freunde einsehbare Informationen und Fotos zugreifen können.

Zu guter Letzt gab es in den letzten Jahren bzw. Jahrzehnten keinen nennenswerten Widerstand dagegen, dass die gesamte Welt mit CCTV (Überwachungs)kameras gepflastert wurde. Es dient ja alles nur unserer Sicherheit, nicht wahr?

Man sollte aber nicht den technischen Fortschritt dabei ausser Acht lassen. Die qualitativ schlechten Bilder einer Überwachungskamera z.B. an einer Tankstelle, wo man manchmal einen Blick auf den Monitor erhaschen kann, sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass für es für “richtige” Überwachungszwecke ganz andere Kaliber an Kameras gibt.

Hier ein Bild einer Gigapixelkamera von einer grossen Menschenmenge. Man beachte, wie weit man jedes einzelne Gesicht, auch in weiter hinten liegenden Rängen, heran zoomen kann.

Man stelle sich vor, diese Kamera speist die Bilder in einen NSA-Rechner, der nicht nur eine enorme Rechenleistung hat, sondern auch direkt per Gesichtererkennungssoftware die Bilder mit Facebook (und anderen Seiten) abgleichen und in Sekundenschnelle ganz viele Informationen der Leute aus dem Internet ziehen kann.

Wie lange würde es wohl dauern würde, einen grossen Teil dieser Menschenmenge zu identifizieren? Ich würde sagen, das geht in Sekunden, allenfalls Minuten.

Also, liebe Freunde: der Einkaufswagen, der eine Nummer hat und die Einkäufe analysiert, ist sicherlich unser kleinstes Problem, was die (ehemalige) “Privatsphäre” anbelangt. Deswegen sollte man die Energie lieber auf die richtigen Schweinereien lenken, oder besser noch darauf, diejenigen, die uns das alles einbrocken, von ihren Stellen, Ämtern und Pöstchen zu vertreiben. 

Obwohl, wenn die Dinge so weiterlaufen, passiert das sowieso, und zwar mit Gewalt.

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