Auf der Reeperbahn nachts um halb zwei. Zur Debatte über einen Achse-Beitrag von Akif Pirincci


von Wolfgang Röhl

Es ist immer „fix was los“ in meiner Wahlheimatstadt Hamburg, wie wir Fischbrötchen an der Waterkant es launig zu formulieren pflegen. Lesen Sie mal hier rein: „Sophie war zu Besuch bei einer Freundin in Bahrenfeld, machte sich gegen 1.30 Uhr auf den Weg nach Hause. An der Station Reeperbahn stieg die Schülerin aus, ging zu Fuß weiter bis zu einer Nebenstraße der Paul-Roosen-Straße. Wenige Meter vor der Haustür piepte das Handy: „Hey Sophie, bist du gut angekommen?“ schrieb ihre Freundin per SMS. „Ich bin gleich da“, antwortete das Mädchen. Sekunden später stürmten drei Männer auf sie zu.“
„Einer von ihnen würgte mich und ich wurde ohnmächtig“, erzählt Sophie. Während die 17-Jährige wehrlos auf dem Boden lag, traten und schlugen die Südländer auf sie ein. (…) Blutüberströmt wurde Sophie ins Krankenhaus gebracht und notoperiert. Ihr müssen vier Kronen eingesetzt werden. Die Polizei sucht dringend Zeugen.“ So stand es in der „Hamburger Morgenpost“ vom 8. April.
Abgesehen davon, dass mir das ewige Gerede von den „Südländern“ nicht gefällt (es beleidigt, ja diskriminiert viele hart arbeitende, völlig unbescholtene Bürger Südeuropas, von denen ich einige persönlich kenne; dazu mehr auf dem Link ganz unten), davon abgesehen interessiert es mich natürlich schon ein bisschen, was das für Leute sind, die in Hamburg ihre meist nocturnen Events abziehen (pöbeln, prügeln, rauben, überfallen, Wohnungen aufbrechen, auf Leute draufspringen, vergewaltigen, vor die U-Bahn schmeißen etc.). Einfach deshalb, um zu wissen, wen ich besser nächtens nicht nach Feuer frage oder so was.
Über die üblichen Stimmungskanonen der Hansestadt ist in den öffentlich-rechtlichen Medien selten Genaues zu erfahren. Außer, es wird mal ein junger Deutscher direkt an der Nobelmeile Jungfernstieg abgestochen. Dann geht dem einen oder anderen NDR-Redakteur, dessen Gattin gern am Jungfernstieg shoppt, kurz der Arsch auf Grundeis. Dann macht er vielleicht sogar mal eine kleine Sendung darüber.
Aber das Interesse hält nie lange vor.
Bei den privaten Medien ist es unterschiedlich. „Bild“ und „Hamburger Morgenpost“ bringen oft Hinweise auf die Identität von Tätern beziehungsweise Tatverdächtigen. In der Regel genügen die Vornamen. Viele Leser wissen inzwischen, wo diese Namen topografisch einzuordnen sind. Andere Medien, wie das liberale, politisch scheunentorweit offene, allem Guten aufgeschlossene „Hamburger Abendblatt“ (Motto: „Seid nett zueinander“), vermeiden Täternamensnennungen, wo immer es geht (wenn sie von der Polizei zur Mithilfe bei einer Fahndung gebeten werden, kommen sie natürlich um gewisse Details nicht herum). Manchmal liefern diese Medien in codierter Form Hinweise auf Realitäten. Ähnlich wie das Hotelbeschreibungen in Reisekatalogen tun, deren Codes jeder schlaue Tourist kennt.
In welchen Ethnien vorzugsweise jene temperamentvollen „Familienfeiern“ abgehen, die zuweilen in Massenschlägereien und Messerstechereien gipfeln, muss der geneigte Leser sich allerdings erarbeiten. So, wie er als Touri auch erst lernen musste, dass ein „strandnahes Hotel“ vom Meer durch eine achtspurige Autobahn getrennt sein kann, neben der die Trasse für einen Hochgeschwindigkeitszug verläuft.
Die Fälle und ihre oft chiffrierte Darstellung in den Medien kennt so langsam jeder. Nicht nur, wenn er in Hamburg lebt. In anderen Groß- und Mittelstädten, inzwischen auch in Provinznestern, kriegt man genau so viel davon mit. An manchen Plätzen besonders viel, etwa in Bremen. Insofern komisch, wenn ausgerechnet ein Redakteur von Radio Bremen sich dumm stellt und behauptet, der Schriftsteller Akif Pirincci nenne für seine Behauptung über den Trend bestimmter Gruppen zu Gewaltausbrüchen keine „Belege“. Die Zahl der von Jugendlichen begangenen Gewalttaten sei in den vergangenen Jahren zurückgegangen, freut sich der Mann vom Sender Rotgrün.
Erstens sind es genau jene Ideologen in linksgewirkten Staatsfunkanstalten wie Radio Bremen, welche nach Kräften dagegen arbeiten, dass die eingeforderten Belege flächendeckend erfasst und ohne Retuschen veröffentlicht werden – so, wie es bei Straftaten mit unzweifelhaft „rechtem“ Hintergrund auch geschieht. Statistiken jedoch, die genaue Auskunft über den Herkunfts-Hintergrund von Straftätern gäben, würden „ausländerfeindlicher Stimmungsmache“ Vorschub leisten, meinen die Verschleierungstaktiker in vielen Medien.
Eine ungute Stimmung, die dann sogar der türkische Gemüsehändler an der Ecke zu spüren bekommt, stellt sich aber in Wahrheit vor allem dadurch ein, dass die Bevölkerung über Dinge, die sie sehr wohl beurteilen kann, weil sie sich nämlich vor ihrer Haustür abspielen, oft dreist desinformiert wird. Straftatbestände, die sich hartnäckig wiederholen und somit ein Muster aufweisen, dem blöden Zwangsgebührenabdrücker als lockere Folge von „absoluten Einzelfällen“ (Radio Bremen vs. Pirincci) zu verkaufen, gehört ja zum Kern der öffentlich-rechtlichen Grundversorgung mit so genannten Integrationsthemen.
Pirinccis Bashing der Journalistenzunft, das auch ich für etwas überzogen halte, gründet auf genau diesem Fakt. Medienleute, die sich von Pirincci auf den Schlips getreten fühlen, sollten ihren Ärger vielleicht mehr auf bestimmte, keineswegs rare Vertreter der eigenen Branche richten, nicht vornehmlich auf den Überbringer der Wutbotschaft.
Zweitens stammt die These von der zurückgehenden Jugendgewalt m.W. von einem Menschen mit ganz langer Nase, dem Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen Christian Pfeiffer („Töpfchen-Pfeiffer“). Dessen Kriminalitäts-Expertisen halte jedenfalls ich für ungefähr so seriös wie eine von Greenpeace bestellte Studie des Öko-Instituts Freiburg über die Sinnhaftigkeit der Energiewende.
Wenn die Zahl der „von Jugendlichen begangenen Gewalttaten“ (O-Ton Radio Bremen) zumindest auf dem Papier zurückgegangen sein sollte, dann gilt das bestimmt nicht für jenen Teil der Täter und Tatverdächtigen, der einen speziellen Migrationshintergrund aufweist. Der Rückgang läge hauptsächlich an der Tatsache, dass die Gesamtzahl der Jugendlichen in dieser Republik deutlich zurückgeht, aufgrund der demografischen Entwicklung. Man sagt, im Bett und in der Politik werde besonders viel gelogen. Nicht mehr als in der Kriminalitätsforschung, vermute ich.
Aber von derlei Hütchenspielertricks aus der Statistikmottenkiste lassen sich heutzutage nur noch wenige verzaubern. Selbst ansonsten gefirmte Multikulti-Gläubige vom Berliner Prenzlberg setzen Himmel und Hölle in Bewegung, damit Malte-Thorben und Kay-Milena und nicht auf eine Schule gehen müssen, wo sie von anderen, lautstark und breitbeinig auftretenden Mitschülern als Schweinefresser gemobbt werden.
Was ich persönlich unternehme, um ich mir über das kunterbunte Treiben in Hamburg und Umgebung ein halbwegs objektives Bild zu machen (wer mit wem, wer gegen wen, wo und wie und was)? Ich gehe einfach mal auf die Website mit den Polizeimeldungen (für andere Orte, etwa Stade, findet man diese Meldungen im Presseportal der dpa-Tochter „News aktuell“).
Hochspannend! Lesen Sie mal, was in den letzten Tagen an der Elbe so geschah:
http://www.presseportal.de/polizeipresse/pm/6337/polizei-hamburg
http://www.hamburg.de/polizei/fahndungen-np/

Quelle: Die Achse des Guten (09.04.2013)


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