Deutschland in der Falle oder auf Wiedersehen Euro!


Es ist schwer, Deutschland zu sein – das Land im Mittelpunkt, das für Europa immer übermäßig mächtig, jedoch zugleich zu schwach war, um es zu erobern.
Im Fall Zyperns haben die Deutschen Recht, wie sie es auch in den Fällen der anderen “Peripheriestaaten” der Eurozone hatten: ohne Disziplin gibt es keine Hilfe. Wie jedoch viele Male in der Vergangenheit fanden sie sich wieder auf der falschen Seite ein. Der Grund ist nicht notwendigerweise die teutonische Ungeschicktheit auf Weise des Kaisers Wilhelm, der in Europa seit 1890 mit seiner Haltung immer herausforderte. Die Großen und Mächtigen ziehen sich immer Ärger zu, indem sie einfach nur das sind, was sie sind.
Niemand wiederum weiß, wer während des Wochenendes, an dem die zypriotische Vereinbarung gekocht wurde – die vorsah, dass die Kunden der Banken der Insel sich von 6 bis 10 Prozent ihrer Guthaben verabschieden – wem etwas angetan hat.
Scheinbar wird der Umstand vergessen, dass es die Zyprioten selbst waren, die erklärten, alle Guthaben müssen in Mitleidenschaft gezogen werden. Aber auch die Tatsache, dass Christine Lagarde, Oberhaupt des Internationalen Währungsfonds, anfänglich den größten “Cut” vorgeschlagen und eine “Beschneidung” von 30 oder sogar auch 40 Prozent für Konten mit einem Guthaben von über 100.000 € gefordert hatte. Alle sind sich einig, dass die Deutschen Schuld haben, und zeigen mit dem Finger auf Wolfgang Schäuble, den Finanzminister Berlins.

Putin: Abgabe ist ungerecht, unprofessionell und gefährlich

Schäuble “übte ungeheuren Druck” auf den Präsidenten Zyperns aus, führt eine anonyme Quelle an, “es war sehr hässlich“. Was sich Herr Schäuble einhandelte, war gleichermaßen hässlich. Allem voran lehnte das zyprische Parlament die Vereinbarung einstimmig ab. Danach entwickelte sich eine Wunder bewirkende Metamorphose. Zypern verwandelte sich über Nacht von einem Hort der Verschwendung und bekannten Zufluchtsort für die russischen Oligarchen in die Heimat bedauernswerter Rentner und Sparer. Drittens stürzten sich die Russen darauf, wobei Präsident Vladimir Putin die Abgabe auf das Heftigste als “ungerecht, unprofessionell und gefährlich” kritisierte. Haben wir also ein Auge auf russische Kriegsschiffe am Bosporus.
Wie wird diese ganze Geschichte enden? Wie auch Yogi Bär sagte: “Es ist wie ein Déjà-vu, immer wieder aufs Neue.” Das europäische Spiel verläuft folgendermaßen: Angela Merkel zeichnet Linien im Sand, gibt sie auf, verletzt gewisse Konventionen und gestattet der Europäischen Zentralbank, die Zügel zu übernehmen, während Mario Draghi, Präsident der EZB, ostentativ seine Füße hinter sich her zieht.
Deutschland ist in der Falle. Gibt es nicht nach, besteht die Gefahr, dass Nikosia den Bruch erklärt und möglicherweise aus dem Euro ausscheidet. Dies für sich allein mag nicht viel bedeuten. Zypern ist ein mikroskopischer Teil der Wirtschaft der EU. Bedenken wir jedoch die Folgen. Millionen von Panik ergriffener Sparer initiieren eine Bankenpanik, indem sie von Lissabon bis Athen ihre Gelder von den Banken abheben und eine Architektur zerstören, die unter höchsten Anstrengungen von der EZB und den diversen europäischen Rettungsfonds am Leben erhalten wird, und zetteln einen breit gefächerten Angriff durch die Märkte an. Auf Wiedersehen, Euro!
Wird Berlin die Pforten öffnen, wird dies sein, als ob es das moralische Risiko honoriert – das im Fall von Zypern beachtlich ist. Der Banksektor des Landes beträgt das Achtfache seines Bruttosozialprodukts. Indem die Banken der Insel den größten Teil ihrer Einlagen in griechische Staatsanleihen investierten, erfuhren sie – im Verhältnis zum BIP – den härtesten Schlag, als Athen den Inhabern der Anleihen einen Haircut aufzwang. Die Banken mussten um Hilfe betteln. Der griechische Trick war jedoch nicht das einzige Problem. Wie auch im Fall Spaniens hatte das billige Geld die ungeheure Immobilienblase aufgebläht.

Nachgeben gegenüber Zypern könnte Dominoeffekt auslösen

Wenn andere sehen, dass Zypern gerettet wird, werden auch die Regierungen in Spanien, Portugal und Griechenland, aber auch in Italien und Frankreich die schmerzhaften und unpopulären Reformen zur Senkung des Haushalts aussetzen. Da das “kleine” Zypern davongekommen ist, werden sie in Anbetracht ihrer kritischen Größe erachten, auf die selbe Weise handeln zu können.
Als Resultat wird die schlimmste Sorge der Deutschen zur Realität werden: die Festigung einer funktionsunfähigen Währungszone, die von Anfang an eine Dummheit war. Hätten sie außerdem jemals den “Club des Mittelmeers” mit dem “Club des Nordens” in Einklang bringen können? Ersterer ist verschwenderisch und wettbewerbsunfähig, der zweite reformistisch und effizient. Wie die Euro-Krise zeigt, sind sie überhaupt nicht in Einklang gebracht worden.
Auf dem Weg zur Währungsunion glaubten die Deutschen, den Mittelmeer-Club von der volkswirtschaftlichen und mikroökonomischen Ehrbarkeit überzeugen zu können. Diese Hoffnungen erwiesen sich als falsch. Berlin – und die kleine Gruppe seiner Anhänger von Wien bis Helsinki – müssen sich jedoch durchsetzen, außer wenn selbige nachgeben und für das allgemeine Wohl “bluten” werden. Berechtigterweise verabscheuen die Deutschen das Dilemma zwischen dem Verlust des Euro und dem Verlust ihres Reichtums, den sie sich mühevoll erarbeitet haben.

Warum sollen wir unser Geld den “Unregierbaren” geben?

Daraus ergibt sich auch die Politik Merkel – Schäuble, die sich der Peitsche bedient und Karotten verteilt. In diesem Jahr birgt dieses bekannte Spiel eine neu Gefahr, die “allgemeine Wahlen” heißt. Hofft also – zumindest bis Herbst, nach den deutschen Wahlen – nicht auf übermäßige Großzügigkeit.
Unter den Wählern kombiniert sich die Angst mit Wut. “Warum müssen wir unser Geld den “Unregierbaren” zur Verfügung stellen, während jene uns als moderne Nazis verunglimpfen?“, brüllt die Stimme des Volkes und fügt an: “Halte stand, Frau Merkel.” Sich immer an der Stimmung des Volkes ausrichtend, wird die Kanzlerin in diesem Jahr etwas bereitwilliger sein, an die Grenzen zu geraten.
Es ist schwer, Deutschland zu sein – das Land im Mittelpunkt, das für Europa immer übermäßig mächtig, jedoch zugleich zu schwach war, um es zu erobern. Dennoch herrscht in dem Kampf der Mächte des alten Kontinents nach 60 Jahren einer engeren Verbindung ein fader Frieden.
Die auf die gestrigen Dämonen verweisenden Attacken der Tabloids gegen Berlin sind folglich ins Leere gefallen. Weil das große Spiel sich geändert hat. Es bestehen gigantische Unterschiede zwischen dem Europa des Kaisers Wilhelm und dem Euro der Frau Merkel, zwischen den Panzerbrigaden und den Devisenreserven. Im Vergleich zu den letzten 500 Jahren mag der heutige Zustand als tatsächliches Glück erscheinen – wenn wir ein, zwei “Haircuts” ausklammern.
QuellenSofokleous10.gr / krisenfrei (24.03.2013)


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