“Kartoffel werden”


Die Deutschen stehen seit jeher in dem Ruf, ein besonders gründliches Völkchen zu sein. Dies zeigt sich in der Anerkennung, die das Prädikat “Made in Germany” (steht für “gründliche, gute deutsche Wertarbeit”) in aller Welt genießt, allerdings auch in der einzigartigen Weise, in welcher sich Deutsche Ideologien zu eigen machen können.
Im Dritten Reich etwa wurde die Vernichtung der Juden bis Kriegsende – als bereits sämtliche Fronten zusammengebrochen waren – verbissen weiterbetrieben.
Heutzutage scheinen sich die Deutschen gewandelt zu haben: Die Distanzierung von der NS-Zeit ist Staatsdoktrin, der “Schuldkult” um Auschwitz eine säkulare Religion, praktisch der Inbegriff verbliebener deutscher Identität.
Hat jedoch wirklich eine Änderung des deutschen “Volkscharakters” stattgefunden? Leider muss ich konstatieren: Nein. Die Deutschen sind geblieben, was sie immer waren: Menschen der Extreme, Menschen der Manie. Sie kennen kein “Dazwischen”, keinen “Dritten Weg”, sondern nur ein “Alles oder Nichts”. Wenn, dann auch richtig. Wenn, dann bis zum bitteren Ende. Wenn, dann in manisch anmutender Verbissenheit mit dem Kopf durch die Wand.
“Deutschsein heißt, eine Sache um ihrer selbst willen zu tun” – leider weiß ich nicht mehr, wer der Urheber dieses treffenden Spruches ist.
Dem Chauvinismus der NS-Zeit folgt in Deutschland seit einiger Zeit eine Phase des exakten Gegenstücks der damaligen deutschen Verfassung: Deutscher Selbsthass hat manische Züge und Artikulationsweisen angenommen.
Ein Beispiel aus jüngster Zeit war die “Fahnen-Posse” in Würzburg, wo die Stadt wie einst zu des Führers Geburtstag beflaggt wurde – allerdings diesmal mit türkischen Fahnen. 50 türkische Fahnen mit dem Halbmond auf rotem Grund zierten die Straßen, während man – angeblich – nur fünf deutsche “auftreiben konnte”.
Nach Bürgerprotesten “aus dem rechten, fremdenfeindlichen Lager” bzw. von “braunen Kameraden” wurde dem Spuk ein Ende bereitet. Fünf deutsche und fünf türkische Fahnen wechseln sich nun in einer einzigen Würzburger Straße ab und hängen in brüderlicher Eintracht nebeneinander.
Peinlich – so mag man über diese Geschichte denken. Doch leider nicht die einzige “Selbsthass-Entgleisung”, die gegenwärtig aus der “Bunten Republik” zu vermelden ist.
Ein weiteres Beispiel für das “geistige Abdriften” jener Nation, der ich (leider, muss ich mittlerweile sagen) ebenfalls angehöre, ist die Einbürgerungskampagne der Stadt Hannover: “Kartoffel werden”.
Mit diesem Ausdruck, den Mitbürger “mit Migrationshintergrund” (nicht selten ergänzt durch das Adjektiv “scheiß”) – häufig aus “bildungsfernem Milieu” stammend – benutzen, um Deutsche zu bezeichnen (bzw. zu beleidigen), wirbt die besagte Stadt um Migranten. Hierbei betonen die Verantwortlichen, dass der Ausdruck “Kartoffel werden” die idiomatische Wendung des Türkischen für den Erwerb der deutschen Staatsbürgerschaft darstelle. (Es ist geradezu herzerwärmend, wie die Bildhaftigkeit der türkischen Sprache nun auch jene der “Schrumpfgermanen” bereichert.)
Das “Migazin” berichtet ausführlich:
Ich für meinen Teil weiß langsam nicht mehr, ob ich lachen oder weinen soll. Bin ich in “der Matrix” gefangen? Ist dies etwa eine gelenkte Satire? Wäre “Absurdistan im Jahre 2011″ ein Roman, so würden die Leser sagen “Das ist total unrealistisch und übertrieben”. – Leider nicht.
Andere Länder betrachten ihre Staatsbürgerschaft als etwas sehr Wertvolles, da ihr Erwerb mit der vollen Teilhabe an sämtlichen demokratischen bzw. gesellschaftlichen Rechten einhergeht. Es ist eine Ehre für Zuwanderer, wenn sie ihnen zuerkannt wird. Die Deutschen jedoch vehökern dieses hohe Gut wie faule Äpfel. Nicht nur, dass sie “um Migranten werben”, (Wieso muss man um diese werben? Sollten sie nicht stolz sein, Deutsche werden zu können?) sie verbinden diese “Werbung” auch noch mit einer peinlichen Selbsterniedrigung.
Man stelle sich vor, ein Deutscher würde in die Türkei auswandern. Würden die Türken ihn dort mit der Werbekampagne “Kanake werden” empfangen? Wohl eher nicht. Da sei der große Führer Erdogan vor.
Die Fragen, die sich mir stellen, sind folgende: Merken Deutsche noch irgendetwas? Ist ihnen klar, wie lächerlich sie sich machen? Dass sie durch ihr Verhalten stille oder offene Verachtung hervorrufen?
Wie würde ich reagieren, wenn ich in Deutschland als “Mensch mit Migrationshintergrund” leben würde? – Ich denke, ich würde keine “Kartoffel”werden wollen. Niemals. Soviel Stolz hätte ich dann doch.


Quelle: Korrektheiten (14.05.2011)

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