Das Judentum – eine Gegenrasse


Von Arno Schickedanz, 1928.Gekürzter Nachdruck aus: „Der völkische Sprechabend“ Heft 50 (Verlag Th. Weicher, Leipzig).


1. Einleitung.


„Alles Wahre ist einfach.“
Goethe


Die so wichtige und so nötige Erkenntnis dessen, was das Jüdische und das Judentum eigentlich ist, wäre die Lösung eines der schwierigsten Probleme; das Judentum ist ein viel tieferes Rätsel, als wohl mancher Antisemiten-Kalender glaubt, und im letzten Grunde wird es einer gewissen Dunkelheit wohl nie weit entzogen werden,“ schrieb der Jude Otto Weininger in einer jüdischerseits unübertroffenen Abhandlung über das Judentum [Otto Weininger: Geschlecht und Charakter].

Unzählige Male haben hervorragende Männer in allen Ländern und zu fast allen Zeiten von Tacitus bis Moltke das Wesen des Judentums zu deuten und sein Rätsel zu klären versucht, soweit Rätsel in dieser Welt der Erscheinungen überhaupt lösbar sind. Diese Bemühungen erschlossen viele und tiefe Einsichten über das Judentum, die im Letzten beinahe alle völlig miteinander übereinstimmten oder sich ergänzten. Nordische Seher erschauten und schufen in der Gestalt des unstät und flüchtigen Ahasvers, des „ewigen Juden“, ein Sinnbild des Judentums, das auch seine Deutung enthielt.
Nur ein Umstand entzog sich immer wieder hartnäckig der Erkenntnis und verhinderte die Verbreitung der gewonnenen Einsichten: Die Sonderstellung des Judentums gegenüber allen anderen menschlichen Rassen und Völkern, oder, um mit ihm selber zu sprechen, seine „Auserwähltheit“. Eine unanfechtbare Erkenntnis der Erscheinung des Judentums hing von der Beantwortung der Frage ab: „Durch was für einen natürlichen, d. h. gesetzmäßigen, von jeder willkürlichen Beeinflussung unabhängigen Vorgang ist eine solche Sonderstellung möglich geworden; und was bedeutet dann eigentlich diese „Auserwähltheit“ gegenüber allen anderen menschlichen Rassen und Völkern?“
Den Weg zur Beantwortung weist erstens die Entstehung der Arten in der Natur überhaupt, die auch für die „Menschheit“ gilt, wo voneinander mehr oder minder stark abweichende Rassen feststellbar sind, und zweitens das Auftreten von Rückbildungen in der Natur, deren Entstehungsmechanik noch nicht erschlossen war. Wohl lehrte die Naturwissenschaft, daß Rückbildungen oder Schmarotzerei infolge einer parasitären d. h. schmarotzenden Lebensweise entständen, womit aber nur Grund und Folge gleichgesetzt sind und eine „Tautologie“, die buchstäblich eine Entstehung aus dem Nichts behauptet. Denn, wie Arten zu einer parasitären Lebensweise aus einer vorausgesetzten eigenen Willkür kamen oder kommen, und wie aus ihnen „infolge“ dessen Rückbildungen hervorgingen oder gehen, das bleibt unerklärt, da die Voraussetzung eigener Willkür in Wirklichkeit eine Ursache durch inhaltslose Worte ersetzt.
Zu der genialen „Idee“ eines Rückbildungsvorganges fehlte die deutende „Theorie“ und die Folgerung und Erkenntnis, daß ein solches gesetzmäßiges Geschehen in der Natur sich auch auf die menschlichen Rassen und Völker nach Erfüllung einer für diese besonderen Vorbedingung erstrecken könne. Im heutigen Erdzeitalter, d. h. im „Känozoikum“, bildet der „Mensch“ den alles beherrschenden Mittelpunkt der Erscheinungswelt; und wenn irgendwann und wo in der Natur sich der weiter unten enthüllte Rückbildungsvorgang je abgespielt hat, dann dürfen wir auch annehmen, ihn am klarsten gerade beim „Typus Mensch“ [E. Daque: Urwelt, Sage und Menschheit] am Werke zu erkennen. Und das ist der Fall. Durch die Einsicht in diesen Vorgang findet aber auch die Erscheinung des Judentums, wider die ausgesprochene Erwartung Otto Weiningers und des gesamten Judentums, das sich gern für ein unentschleierbares Geheimnis ausgibt, seine sichtbare Lösung.

2. Entstehung der Arten.

Die Biologie, als exakte Wissenschaft, darf vor allen andern Wissenschaftszweigen die größte Aufmerksamkeit aller Volksgenossen beanspruchen, da sie letzten Endes Einsichten über uns selber und über die Gemeinschaft gewährt, in der wir und durch die wir leben. Sie ist berufen, die in den Meisten von uns bereits im Keim erstickte Gewißheit unauflöslicher Naturgebundenheit wieder zu wecken, zu vertiefen und durch ihr Lehren eine Gesundung des entarteten sozialen Lebens anzubahnen.
Die Auffassung von der Entstehung der Arten hat sich bis heute öfter gewandelt. Anartung [Immanuel Kant] nennt man die Wirkung einer bestimmten abgeschlossenen Umwelt auf die in ihr befindlichen Lebensformen durch Auslese und Ausmerze, die eine ganz bestimmte Entwicklungsrichtung zeitigen. Die mit den ausgesprochensten Fähigkeiten zur Erhaltung aus dieser Umwelt begabten Individuen werden ausgelesen und gelangen zur Vermehrung, während die mit Mängeln in dieser Hinsicht behafteten ausgemerzt werden. Um diesen Vorgang ganz zu erfassen, dazu gehört noch der Begriff einer „Mutation des Idioplasmas“, d. h. die aus irgend welchen Gründen irgendwann eintretende Änderung im Gefüge des im allgemeinen sich ziemlich gleichbleibenden Keimplasmas, woraus Zellen und Individuen mit veränderter Erbmasse hervorgehen. Die „kleinen Mutationsschritte“ [Erwin Baur] vollziehen sich vor- oder rückschreitend, d. h. progressiv oder regressiv, womit also die jeweils vorhandene Erbmasse im Wert gemindert oder gesteigert und die Fähigkeit des betreffenden Individuums zu seiner Erhaltung aus einer Umwelt vermehrt oder verringert wird. Auch bei kleinsten „Mutationsschritten“ bieten sich den bewirkenden Faktoren der Umwelt, Auslese und Ausmerze, immer neue Angriffspunkte. Aber gleichzeitig vollzieht sich auch in der Umwelt eine langsame Veränderung und mit ihr ändern sich Auslese und Ausmerze. Diese sind also nicht konstante (beständige), sondern variable (veränderliche) Größen, weswegen der Vorgang der Entartung gewissermaßen dauernd in Wirksamkeit bleibt. Er ist das Ergebnis gegenseitiger Beziehung zweier veränderlicher Größen, was Goethe in seine Worte über die Natur faßte: „Sie schafft ewig neue Gestalten; was da ist, war noch nie; was war, kommt nicht wieder – alles ist neu, und doch immer das Alte.“
Es ergibt sich, daß aus Kreuzungen zweier verschiedener Arten, den Erzeugnissen verschiedener Entwicklungsrichtungen, niemals ein Neues, sondern nur „Mixovariationen“ (Bastarde) entstehen können. In diesen Mischlingen treten nur die verschiedenen Erbanlagen in stets wechselvollen Verbindungen zusammen, da sich die unterschiedlichen Merkmale unabhängig voneinander auf die Geschlechtszellen des Bastards verteilen. Kreuzung kann nur neue „Kombinationen“ schaffen, ohne daß sie allein die alten Merkmale zum Verschwinden brächte. Das geschieht vielmehr wiederum erst durch Auslese und Ausmerze: Wenn durch deren Wirkung die Träger bestimmter Eigenschaften ausgemerzt werden und nur die Träger bestimmter anderer Eigenschaften übrig bleiben dann ist – in diesem Fall auf Grund einer Kreuzung – eine neue Rasse entstanden.

3. Entstehung von sekundären Arten oder Schmarotzern aus primären.

Wie gehen Rückbildungen gesetzmäßig vor sich? – Wie gelangen Organismen – ohne ihr Zutun – zu einer parasitären Lebensweise, und wie entstehen mit anderen Worten aus primären (ursprünglichen) Arten – sekundäre (abgeleitete)?
Der Wirkungsfaktor „Umwelt“ enthält auch den bis zur Befruchtungsgrenze reichenden, sehr wesentlichen Bestandteil „Mitwelt“, deren Bedeutung für bestimmte Vorgänge bis jetzt noch nicht erkannt ist. Unter gewissen Bedingungen kann die „Mitwelt“ auf die „Umwelt“ ausschlaggebend einwirken und eine Abwandlung in der Wirkungsweise der Auslese und Ausmerze zeitigen, bis der Wirkungsfaktor „Umwelt“ durch den Wirkungsfaktor „Mitwelt“ völlig ausgeschaltet wird, was dann eine Änderung der Entwicklungsrichtung bedeutet. Damit gelangen die sonst ausgemerzten „regressiven Mutationen des Keimplasmas“ (rückschreitende Veränderungen der Erbmasse) zur Vererbung, und als Ergebnis dieser Richtungsänderung entstehen in gesetzmäßigem Geschehen, unabhängig von eigenem Dazutun, sekundäre Arten oder Schmarotzer durch Rückbildung.
„Eine auslösende Wirkung von Idiovariationen ist vielleicht in Kreuzungen sehr stark verschiedener Sippen zu suchen, wobei der ganze Mechanismus der Kern und Zellteilung und vor allem der Reduktionsteilung gestört ist, und die beiden verschiedenen Kernteile nicht recht zusammenpassen,“ sagt E. Baur, die Autorität auf dem Gebiete der Vererbungslehre, und fügt hinzu: „Es genügt wohl, wenn man sich immer daran erinnert, daß die Mendelschen Spaltungsgesetze nicht ausnahmslos gelten [E. Baur in Baur-Fischer-Lenz: Grundriß der menschlichen Erblichkeitslehre und Rassenhygiene].“ Kommt es nun durch örtliche Begünstigung zu einer, viele Geschlechterfolgen hindurch ununterbrochenen Kreuzung zwischen sehr stark verschiedenen Sippen oder Varietäten, so erleiden in dieser fortlaufenden Kreuzung die jeweiligen Nachkommen andauernd innere Veränderungen. Sie büßen allmählich die Fähigkeit ein, sich allein in und von einer Umwelt zu erhalten. Mit anderen Worten: Sie verlieren die Fähigkeit, auf eine Umwelt zu reagieren, die nach und nach ersetzt wird durch die Fähigkeit, auf eine Mitwelt zu reagieren. Es ergeben sich im Verlaufe des Vorgangs eine Reihe von Zwischen- und Übergangserscheinungen, die nur mit Hilfe und durch Ausnutzung der artlichen Mitwelt – selbstverständlich in einer Umwelt – bestehen. Damit gleiten aber auch die bewirkenden Faktoren Auslese oder Ausmerze von der Umwelt immer mehr, zuletzt ausschließlich, auf die Mitwelt über, bis die Rückbildung der so entstehenden sekundären Art ihre volle Ausbildung erreicht hat und ihre parasitäre Lebensweise nunmehr genau derjenigen der primären Art angepaßt ist, aus denen sie sich rückbildete. Der Wirkungsfaktor „Umwelt“ ist durch den Wirkungsfaktor „Mitwelt“ ersetzt. In gewissem Sinne läßt sich behaupten: Die artliche Mitwelt züchtet selbst auch ohne eigenes Dazutun – den in einem bestimmten, mehrfachen Kreuzungsprozeß entstehenden Parasiten durch Auslese und Ausmerze auf sich selber zu. Auf diese Weise ist in der Natur aus den verschiedensten Rassen eine „Gegenrasse“ hervorgegangen, wohl der zutreffendste Begriff für alle durch Rückbildung aus ursprünglichen Arten abgeleiteten Schmarotzer.
Läßt sich die Anartung gewissermaßen als die Funktion einer veränderlichen Größe, der Umwelt, auffassen, dann wäre Gegenanartung die Funktion einer gleichfalls veränderlichen Größe, der Mitwelt, in die durch fortlaufende Kreuzung zwischen Individuen einander fernstehender Entwicklungslinien die veränderliche Größe Umwelt abgewandelt wird.
Alle diese auf sekundärem Wege entstandenen „Gegenrassen“ in der Natur lassen sich auch als besondere Entartungs- oder Degenerationsformen auffassen. Sie besitzen kein einziges „Rassenmerkmal“, vielmehr liegt ihre „Eigenheit“ gerade in der nunmehr unauslöslichen Verbindung der allerverschiedensten Rassenmerkmale derjenigen primären Arten, aus denen sie durch Rückbildung hervorgegangen sind, wobei diese Rassenmerkmale in ihrer Gesamtheit, mit deutlichen Zeichen der Entartung versehen, das „Parasitäre“ ausmachen.
Die Grenze für die Rückbildung liegt in der Lebensweise der primären Arten, an denen die sekundären zu schmarotzen gezwungen sind. Schreitet die Rückbildung – immer im großen Durchschnitt – bei einzelnen Individuen der werdenden oder gewordenen Gegenrasse irgendwie weiter als die Möglichkeit der Erhaltung ihres Lebens von der artlichen Mitwelt zuläßt, so werden sie von dieser Mitwelt genau so ausgemerzt, wie die Individuen primärer Arten von der Umwelt, aus der sie sich nicht erhalten können. Dagegen werden die zur Erhaltung von der Mitwelt Befähigten auserlesen und gelangen zu weiterer Vermehrung. Die Funktion, welche die Umwelt für die primären Arten erfüllt, übt die Mitwelt für die sekundären aus und zeitigt wie jene, nur innerhalb engster Grenzen, eine ganz bestimmte Rückbildungsrichtung. Weil die Lebensweise der primären Arten zugleich die alleinige Grenzsetzung für die Rückbildungen darstellt, so können diese bei den verschiedenen Gegenrassen in der Natur verschieden weit gedeihen und die einmal zwischen primären und sekundären Arten vorhanden gewesene Befruchtungsmöglichkeit aufheben, wobei die Übergangsformen verschwinden müssen.
Wir unterscheiden Einzel- und Sozialparasiten, d. h. solche, die an einem einzelnen Individuum einer primären Art schmarotzen, und solche, die an den sozialen Gemeinschaften, in welchen Individuen verschiedener primärer Arten zusammenleben, schmarotzen. Am bekanntesten ist der „dauernde Sozialparasitismus“ [K. Escherich: Die Ameise] sekundärer Ameisenarten an den sozialen Gemeinschaften primärer. Dieser Fall ist von besonderem Belang, da auch das „Hirntier“ (Homo sapiens oder Mensch) ebenfalls nur in sozialen Gemeinschaften vorkommt.
K. Escherich führt in seinem lehrreichen Werk „Die Ameise“ aus: „Wir kennen heute eine ganze Reihe dauernder Sozialparasiten unter den Ameisen, deren jede einem besonderen Genus angehört. Bei ihnen ist das Abhängigkeitsverhältnis auf die Spitze getrieben, indem bei allen hierher gehörigen Formen die Arbeiterkaste völlig eliminiert ist. Vor noch nicht langer Zeit entdeckte Santschi die Wheeleriella Santschii in Tunis. Sie lebt stets in gemischten Kolonien in dem Monomorium Salomonis. Nach den sehr genauen Beobachtungen des Entdeckers kommen diese Kolonien dadurch zustande, daß die (gewöhnlich im Nest) befruchteten Wheeleriella-Weibchen in die Nester von Monomorium eindringen. Die Arbeiter des Letzteren suchen zwar anfänglich die eindringenden Fremdlinge aufzuhalten, doch schon nach kurzer Zeit erlahmt ihr Widerstand, und sie lassen das fremde Weibchen ruhig gewähren. Ja, sie beginnen jetzt sogar die Fremde freundschaftlich, wie ihre eigene Königin zu behandeln. Letztere befindet sich anfänglich auch noch im Nest; die fremde Königin schenkt ihr nun sehr wenig Interesse. Dagegen tritt bei den Arbeitern eine merkwürdige Instinktperversion ein. In dem Maße, als sie sich der fremden Königin zuwenden, wächst die Animosität gegen die eigene Königin, die schließlich einen solchen Grad annimmt, daß sie dieselbe überfallen und töten!“
In der Wirkung der sekundären Ameisenarten auf die sozialen Gemeinschaften der primären besteht, entsprechend dem Unterschiede von der Daseinsweise des Hirntieres, eine geradezu erschreckende, eben natürlich gesetzmäßige, Übereinstimmung. Denn die allmähliche „Instinktperversion“ der primären Ameisenarten ist durchaus gleichbedeutend mit der allmählichen Lähmung des Denk- und Unterscheidungsvermögens der primären Menschenarten durch den jüdischen „Intellektualismus“, wie wir ihn und sein Ergebnis auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens, in Kunst und Wissenschaft verfolgen können. Ebensogut ließe sich von einer „Revolution“ in dem sozialen Ameisenstaat sprechen, welche den Untergang desselben zur Folge haben muß.
Das Endergebnis der sich über Generationen erstreckenden „Perversierung“ ist zwischen den Ameisensozietäten und den Hirntiersozietäten auch nicht verschieden. K. Escherisch erklärt: „Die Tötung der Königin der Wirtsameise ist in diesem Falle natürlich ein Nachteil für die gemischte Kolonie, da ja keine Arbeiter mehr nachgezogen werden können und auch keine andere Möglichkeit besteht, die durch den Tod allmählich verschwindenden Hilfskräfte zu ersetzen“. Die durch die Auswirkung eines menschlichen Parasitentums in allen menschlichen Gemeinschaften erzeugte Zersetzung muß trotz verschiedener notwendiger Abweichungen und möglicher „Zwischenlösung“ zum selben Ergebnis führen.
Die Möglichkeit aber, daß auch unter den menschlichen Arten eine sekundäre Gegenrasse seit Jahrtausenden ihre schmarotzende Tätigkeit an den sozialen Gemeinschaften der primären Hirntiere ausübt und ausschließlich durch Ausbeutung der menschlichen Mitwelt lebt, ist in ihrer nackten Tatsächlichkeit von der gesamten Wissenschaft nicht einmal geahnt, geschweige denn erwogen worden. Daher sind auch die Wirkungen eines „dauernden Sozialparasitismus“ wohl bei den sozialen Insekten sehr liebevoll beobachtet, an den sozialen Gemeinschaften der primären Hirntiere aber nicht erkannt worden.

4. Möglichkeit der Erhaltung auf Kosten der Mitwelt unter menschlichen Rassen und Völkern.

Lange Zeiten mußten in der Entwicklungsgeschichte der Menschen vergehen, ehe sich die Möglichkeit einer dauernden parasitären Lebenserhaltung und -Vermehrung unter den menschlichen Arten, Rassen und Völkern ergab. Bei der allmählichen Entwicklung des Menschengeschlechts in der Vorzeit war das Hirntier, der Mensch, immer nur ein Geschöpf unter den anderen dieser Erde, und für die um ihre Lebenserhaltung von einer Umwelt ringenden Menschenhorden und Stämme hatte der Bestandteil „Mitwelt“ auf die Wirkungskreise der „Umwelt“ keinen Einfluß. Erst nachdem durch die starke Ausbreitung des Hirntieres, der Menschen, Geschöpfe zurückgedrängt waren, gewann der Bestandteil „Mitwelt“ eine Bedeutung. Mithin mußten in der Geschichte des Menschengeschlechts – die Möglichkeit eines ununterbrochenen mehrfachen Kreuzungsprozesses zwischen einander sehr fernstehenden menschlichen Sippen zugegeben – die Entstehung einer menschlichen Gegenrasse in ihren Anfängen immer wieder durch Auslese und Ausmerze verhindert werden, solange nicht das Mittel da war, das die Möglichkeit einer rein parasitären Lebensführung und Erhaltung eröffnete. Denn es ist wohl ohne weiteres ersichtlich, daß kein einziges Individuum, ebenso wie keine einzige soziale Gemeinschaft der verschiedenartigen Gruppen des Hirntieres, sich zu einer generationslangen Ausbeutung freiwillig hergegeben haben würde.
Die Frage nach der Entstehung einer menschlichen Gegenrasse führt zu einer Vorfrage: „Gibt es ein Mittel, das die Möglichkeit bietet für eine rein parasitäre Lebensführung und Vermehrung und damit für die ganz allmähliche Entstehung einer menschlichen Gegenrasse aus primären menschlichen Arten, Rassen und Völkern? Und wann und wodurch trat es in Erscheinung?“
Die Frage richtig stellen, heißt – sie beantworten. Erst nachdem die Gesittung und die Lebensführung der sozialen Gemeinschaften der menschlichen Rassen und Völker in vorgeschichtlicher Zeit höchst entwickelt worden war, wurde die Möglichkeit zu rein parasitärer Lebenserhaltung mit dem Auftreten des Geldes geschaffen. Erst nachdem die Lebensführung der verschiedensten menschlichen Gemeinschaften eine gewisse Umgestaltung erfahren hatte, erstand mit dem Gelde, unabhängig von seiner Form eines nichtmetallischen oder metallischen Warengeldes, – und insofern schon verdeckt im Tausch – die Möglichkeit, ohne äußere Gewaltanwendung andere für sich arbeiten zu lassen, d. h. sich nicht mehr von einer Umwelt, sondern ausschließlich innerhalb einer Gemeinschaft durch die Tätigkeit der anderen, eben seiner Mitwelt zu erhalten. In der schon mit dem Tausch erstehenden Leihe, vervollkommnet in der Geldleihe, liegt die einzige Möglichkeit zu einer, der artlichen menschlichen Mitwelt angepaßten, parasitären Daseinsform.
Mit der Möglichkeit der Geldleihe mußte der Bestandteil „Mitwelt“ für die menschlichen Rassen, Völker und Varietäten – bei einem örtlich begünstigten ununterbrochenen Kreuzungsvorgang zwischen einander sehr entfernten Sippen – allmählich den Gesamtwirkungsfaktor „Umwelt“ ausschalten, die Auslesebedingungen abwandeln und damit die Entwicklungsrichtung bis zur vollen Ausbildung einer menschlichen Gegenrasse ändern.
Der zeitliche Ursprung des Geldes läßt sich nicht gültig feststellen. Bei den Babyloniern z. B. ist metallisches Warengeld schon vor Mitte des 3. Jahrtausends v. Chr. nachweisbar. Goldsendungen Ägyptens nach Assyrien und Babylonien bezeugen Briefe aus der Tell el-Amarna-Zeit 1500 v. Chr.

Quelle: Honigmann ()
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