Todes-Folter im Namen der Majestät – So gingen die Briten mit Deutschen Kriegsgefangenen um

Montag, 21.01.2013, 00:00 · von FOCUS-Reporter 
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The National Archives Nach den Folterungen kam Gerhard Menzel in ein Lazarett bei Paderborn. Ein Arzt beschrieb ihn in einem medizinischen Bericht als „lebendes Skelett“.
FOCUS beweist, wie Briten nach dem Zweiten Weltkrieg deutsche Gefangene quälten – DER LETZTE ÜBERLEBENDE eines Verhörlagers erinnert sich
Es sind furchtbare Erinnerungen. Der alte Mann legt behutsam seine Armbanduhr ab, schiebt den linken Hemdsärmel hoch und zeigt auf drei Narben direkt neben der Pulsschlagader. Langes Schweigen. „Ich war damals, 1946, ein junger Kerl, erst 23. Mensch, ich wollte nach diesem verdammten Krieg doch nur leben. Aber diese Hölle konnte ich nicht mehr ertragen.“

Gerhard Menzel, heute rüstige 89 Jahre alt, erinnert sich an die Nacht, als er sich in seiner Zelle mit einem Stück Metall den Unterarm aufritzte. Kurz zuvor hatte ihn der britische Gefängniswärter, Spitzname „Blutauge“, erneut mit eiskaltem Wasser übergossen – und dies bei Minustemperaturen im Raum. Ein harter Schlag in die Magengrube erstickte Menzels Protest.
Der frühere Ingenieur, der seinerzeit nur knapp vor dem Verbluten gerettet wurde, hat die erlittene Folter an Körper und Seele bis heute nicht verarbeitet. Aus Angst, erneut von einem Kommando verschleppt zu werden, trug er lange eine Pistole unter der Jacke. Jahrzehnte konnte Menzel nicht über die schlimmste Zeit seines Lebens sprechen – nicht mit seiner Ehefrau Theresia, nicht mit den drei Kindern. Auch Arbeitskollegen erfuhren nichts.
Was hätte er auch erzählen sollen? Wer hätte ihm schon geglaubt?
Menzel hatte ja in keinem Gestapo-Keller gelitten, er schmachtete auch in keinem sowjetischen Arbeitslager. Der junge Mann, 1923 in Radebeul bei Dresden geboren, saß vielmehr ein Jahr nach Kriegsende, mitten in Deutschland, in einem streng geheimen britischen Foltergefängnis, das so gut wie niemand kannte – bis heute ist das so.
Im idyllischen Bad Nenndorf bei Hannover, vor dem Krieg eine Top- Adresse für betuchte Kurgäste, hatte der britische Geheimdienst im August 1945 unter größter Konspiration ein Verhörzentrum errichtet. Das 1930 erbaute Wincklerbad mit seinen zahlreichen Badezellen, in denen jetzt 20 Offiziere harte Vernehmungen durchzogen, war ein Ort des Grauens.
Dutzende britische Geheimdienst-Akten, die FOCUS vorliegen, beschreiben ein wahres Martyrium.
Häftlinge verhungerten, sie wurden zu Krüppeln geschlagen, ausgepeitscht, an den Handgelenken aufgehängt und mit glühenden Zigaretten verbrannt. Ein Gefangener kambei einer dubiosen Agenten-Aktion ums Leben, andere brachten sich aus Verzweiflung um. Kein Außenstehender hätte sich jemals vorstellen können, dass die hochangesehene britische Armee zu diesem menschenverachtenden Regime fähig gewesen wäre.
Engländer, das waren in der Öffentlichkeit doch nette rothaarige Tommies aus Liverpool oder Birmingham und Gentlemen-Offiziere von der noblen Militärakademie Sandhurst. Die deutsche Politik verspürte zu keinem Zeitpunkt ein Interesse an einer seriösen Aufarbeitung der skandalösen Vorfälle – alle Signale standen nur auf Aussöhnung mit dem früheren Kriegsgegner.
Fünf Fotos von Gerhard Menzel, die FOCUS kürzlich im Britischen Nationalarchiv unter der Registratur-Nummer FO 1030/280 entdeckte, zeigen die schockierende Realität: Der junge Mann, 1,85 Meter groß, wog nur noch 49 Kilogramm. Er musste von zwei Männern gestützt werden und konnte vor lauter Schwäche nicht mehr sprechen. Ein Lagerarzt beschrieb Menzel in einem medizinischen Bericht als „lebendes Skelett“ – mit einer schweren Schädigung der Lunge. Die Ursache: die eiskalten Duschen von Knastwärter „Blutauge“.
Quelle: Focus-online vom 21.01.2013 / StaSeVe vom 08.02.2013
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