Deutschlands internationales Ansehen: Konjunktur für antideutsche Polemik in Europa

Heute brachte DIE WELT folgenden Artikel, welcher sich mit antideutscher Polemik in Europa befasst, an den Beispielen von Tschechien und Italien.

Zwei Dinge finde ich besonders interessant:

Zum einen, dass dieser Artikel, wenn auch politisch korrekt, überhaupt in der Welt erscheint. Mittlerweile ist ja Deutschland mit seinen Witzfiguren und -figurinnen von Politikern und Politikerinnen das Mutterland Anti-Deutscher Polemik.

Von den Medien bis zur Politik, es vergeht kein Tag, and dem Deutschland nicht schon zum Xtillionsten Mal den Zweiten Weltkrieg verliert, den Holocaust begeht, die Ur-Mutter des Ur-Bösen in Gestalt von Hitler und den Nazis ist, und die Deutschen sich für ihre Vergangenheit schämen müssen.

Sei es jetzt als quasi TV-Endlosschleife, in Zeitungen, Online-Magazinen oder gar den Fernsehnachrichten, wo desöfteren ein als Bundeskanzlerin verkleideter, sprechender Hosenanzug bei einer der Xtillionsten Einweihungen irgendeines Weltkriegs- oder Holocaust-Mahnmals betroffen in die Kamera kuckt, betreten die Hände vor dem Bauch zum Dreieck faltet, und sich stellvertretend für alle Deutschen schämt. 

In Anbetracht dessen erscheint es schon fast unglaublich, einen solchen Artikel in der WELT zu lesen.


Der zweite Punkt, der besonders interessant ist, ist die Thematik an sich. Da ist z.B. vom Sudetendeutschen die Rede – die meisten wissen wahrscheinlich gar nicht, um was es sich dabei handelt. Die meisten werden wahrscheinlich auch nichts von den brutalen Vertreibungen und Vergewaltigungen wissen, als die Sudetendeutschen nach dem 2. Weltkrieg von den Tschechen aus ihrer Heimat vertrieben worden sind.

Viele Menschen leben im Glauben, etwas so schlimmes wie der 2. Weltkrieg könne und werde es nie wieder geben. Das dachte man schon nach dem 1. Weltkrieg, und wahrscheinlich nach allen anderen früheren Kriegen auch.

Scheint es aber nicht eher so, dass gerade in der derzeitigen Lage, solche Ressentiments, die ja nach läppischen 70 Jahren nicht verschwunden sind, sich entweder entfachen können, oder entfacht werden können? Wie in dem Artikel angedeutet?

Deutschland, das durch die Umerziehung und strikte Kontrolle der Medien und Politik in einer Blase zu leben scheint, bekommt von alledem nicht viel mit. Die Medien in Deutschland lassen keine relevanten Informationen durch. Es gibt Kräfte, die ein erstarken von Deutschland, sei es politisch oder wirtschaftlich, mit allen Mitteln zu verhindern suchen


Nun zum eigentlichen Artikel:

Konjunktur für antideutsche Polemik in Europa

In Tschechien wird ein Kandidat mit antideutschen Ressentiments ausgebremst und in Italien verbreitet Berslusconi antideutsche Verschwörungstheorien. Die Bundesregierung sollte sich wehren.Von    
 Vaclav Havels langjähriger Berater Karel Schwarzenberg (hier auf dem T-Shirt von Havel abgebildet) hatte es in die Stichwahl um den Einzug in die Prager Burg geschafft

Foto: dpaVaclav Havels langjähriger Berater Karel Schwarzenberg (hier auf dem T-Shirt von Havel abgebildet) hatte es in die Stichwahl um den Einzug in die Prager Burg geschafft

Nicht viele der mutigen osteuropäischen Dissidenten haben es nach dem Fall des Eisernen Vorhangs vermocht, sich dauerhaft als erfolgreiche Politiker zu etablieren. Vaclav Havel, der intellektuelle und moralische Leuchtturm des tschechischen Widerstands, ist da eine einsame Ausnahme geblieben.

Dass es Havels langjähriger Berater Karel Schwarzenberg in die Stichwahl um den Einzug in die Prager Burg geschafft hatte, ist an sich schon eine außergewöhnliche Leistung. Noch schöner, dass es vor allem die Jungen waren, die ihn so weit getragen haben – obwohl sie den Schrecken der kommunistischen Zeit selbst kaum bewusst erlebt haben.



Weniger ermutigend hingegen, dass der honorige Schwarzenberg am Ende von Milos Zeman mit antideutschen Ressentiments ausgebremst wurde. Wieder einmal wurde das Gespenst der Sudetendeutschen bemüht, um in Tschechien politisch zu punkten. Wenn einem Politiker sonst gar nichts mehr einfällt, dann scheint das weiter ein probates Mittel zu sein.

Wahrscheinlich müssen sich die Deutschen darauf einstellen, dass solche Polemik in den kommenden Jahren zunehmen wird. Sei es aus den altbekannten historischen Gründen wie nun in Tschechien. Sei es wegen der aktuellen Krise des Euros, siehe Italien. Dort verbreitet Silvio Berslusconi antideutsche Verschwörungstheorien und macht Berlin für die Schuldenkrise Italiens und seinen eigenen Sturz verantwortlich.

Berlusconi nach der Wahl

Auch deutliche Worte aus Berlin haben daran bisher nichts ändern können. Möglicherweise haben sie sogar den gegenteiligen Effekt und treiben Rattenfängern wie Berlusconi noch mehr Stimmen zu.

Deshalb ist es wichtig, dass die Bundesregierung wenigstens hinter den Kulissen deutlich macht, dass dumpfe antideutsche Ressentiments zu schüren einen Preis hat. Milos Zeman jedenfalls sollte erst einmal keine Einladung nach Berlin bekommen. Und sollte Berlusconi nach der Wahl noch irgendeine Rolle in Italiens Politik spielen, wäre es ebenfalls empfehlenswert, ihm die kalte Schulter zu zeigen.

Nicht aus Rache oder Großmannssucht, sondern aus Gründen der Abschreckung: Wer meint, mit hetzerischen antideutschen Parolen Wahlkampf machen zu müssen, der sollte wissen, dass Berlin am Tag nach der Wahl nicht einfach so tut, als sei nichts gewesen. Wir sollten nicht passiv akzeptieren, dass Deutschenhass zur neuen Normalität in Europas Politik wird.



Quelle: DIE WELT (27.01.2013)

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