Der Konflikt und die Diskussion um Hitler’s "Mein Kampf"

Im Zuge der Diskussion darüber, dass ein Britischer Verleger Adolf Hitler’s „Mein Kampf“ in Österreich herausbringen will, erschien am 31.01.2012 der Artikel “Das böseste Buch der Welt” von Martin Staudinger und Robert Treichler auf profil.at.

Der Artikel reiht sich in die Diskussion ein, und zwar eindeutig auf der Seite derer, die dagegen sind – meiner Meinung nach, weil sie es entweder nicht gelesen haben, oder es gelesen, aber nicht verstanden haben. Oder vielleicht, weil sie es schreiben mussten? Als Nachweis hier die letzten beiden Sätze des Artikels:

“Eine der hervorstechenden Eigenschaften von „Mein Kampf“ ist ein Übermaß an Zorn, Empörung und Eifer mit grotesk-komischen Zügen. Vermutlich ist indifferente Herablassung die adäquateste Art, dem cholerischen Wahnwerk „Mein Kampf“ zu begegnen. Doch das scheint nicht ganz einfach zu sein.”

In den Augen der Autoren ist das Buch also ein cholerisches Wahnwerk. Nun, immerhin muss man sagen, dass die Autoren in ihrem Artikel beide Seiten der Diskussion beleuchten, obwohl sie sich gegen das Buch auszusprechen scheinen. Hier ein paar der Gegensätzlichkeiten der Diskussion um das “verbotene Buch”.

In Deutschland ist das Buch extrem tabuisiert, und die allergrößte Mehrheit der Menschen wird es nicht anfassen, weil sie viel schlechtes darüber gehoert hat und ja schliesslich nicht als Nazi gelten möchte.

Der juristische Hintergrund ist klar: Dem Freistaat Bayern fielen nach dem Ende des Dritten Reichs die Urheberrechte auf „Mein Kampf“ zu. Seither nutzt er diesen Status, um Neuveröffentlichungen so weit wie möglich zu verhindern – auch aus dem Bestreben heraus, die Verbreitung von Nazi-Propaganda hintanzuhalten.

Das hat zu einer einigermaßen seltsamen Situation geführt: Fast überall auf der Welt ist „Mein Kampf“ frei erhältlich

Es ist schon fragwürdig, warum das Buch fast überall erhältlich ist, ausser in Deutschland und ein paar wenigen anderen Ländern. In vielen Ostblockländern sei das Buch verboten, und in Ungarn 1997 sei das Budapester Stadtgericht sei 1997 aufgrund einer Klage der Jüdischen Kultusgemeinde in Ungarn tätig geworden und hat “Mein Kampf” verboten.

Nichtsdestotrotz gelte es in Indien als Klassiker, und sei sogar in Israel, dem jüdischen Staat, 1995 in einer hebräischen Ausgabe veröffentlicht worden. Die Frage ist: Wenn es selbst im jüdischen Staat erlaubt ist, warum klagt dann die Jüdische Kultusgemeinde in Ungarn gegen die Veröffentlichung?

Die Gründe, warum eigentlich jeder das Buch gelesen haben sollte, werden auch erwähnt:

Im Interview mit der deutschen Nachrichtenagentur dpa sagte Pöttker: „Das Ziel des Projekts ist, historisches Material, aus dem zu lernen ist, wie es zu den Schrecklichkeiten der damaligen Zeit kommen konnte, nicht nur Fachwissenschaftern, sondern einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.“

Die Politikwissenschafterin Barbara Zehnpfennig ergänzt: „Die Bürger sollten die Möglichkeit haben, selbst nachzulesen, was Hitlers Intention und seine Antriebskräfte waren.“

Das ist absolut korrekt, die Bürger sollten zumindest die Möglichkeit und vor allem die Freiheit haben, selbst zu entscheiden, ob sie das Buch lesen möchten. Am besten sollten sie auch das Interesse haben, Hintergründe zu erfahren und sich selbst ein Bild zu machen, anstatt dümmlich nachzuplappern, was sie nur vom hoerensagen kennen.

Während der Artikel auf der einen Seite von wirrem Wahnwerk und Hassschrift
schreibt, gibt es aber dennoch auch andere Stimmen:

[…] Was dabei herauskam, ist schwer auf einen Nenner zu bringen: „Am ehesten kann man es als Mischung aus ideologischer, organisatorischer und politischer, gleichzeitig sehr tagesaktuell geprägter Programmschrift bezeichnen – also ein Konglomerat von verschiedenen Text- und Bedeutungsebenen“, so Plöckinger. […]

[…] ,Mein Kampf‘ ist eine unüberbietbare Quelle für das Verständnis Hitlers und seiner Intentionen“, sagte Barbara Zehnpfennig, Professorin für Politikwissenschaft an der Universität Passau, vor Kurzem in einem Interview mit der deutschen Tageszeitung „Die Welt“. Hitler entwickle darin eine „in sich konsequente, bewusst antimarxistisch angelegte Weltanschauung, und er stellt einen innen- und außenpolitischen Fahrplan vor, den er weitgehend abgearbeitet hat“ […]

Wenn man es schafft, all die vielen Jahre der schulischen, gesellschaftlichen und medialen Indoktrinierung abzuschütteln und sich durchzuringen, das Buch doch einmal zu lesen, wird man (erstaunt) feststellen, dass es noch etwas gibt, was in dem Diskurs um die “Hassschrift” immer unerwähnt bleibt.

Hitler hatte nämlich etwas, was den heutigen Führern/Politikern unseres Landes wirklich gänzlich fehlt, nämlich eine schier unendlich grosse Liebe für sein deutsches Volk.

Das würde man heute vergeblich suchen, denn ausser Politikern, die mit den Füssen auf ihrem Volk herumtrampeln und eifrig dafür sorgen, dass Deutschland zugrunde geht, findet man leider nichts. Daher möchte ich auch lieber eine Diskussion darüber starten, warum es denn in Deutschland nicht möglich zu sein scheint, Volksvertreter zu finden, die nicht gleichzeitig Volksverräter sind?

Darüberhinaus möchte ich auch gerne die Frage in den Raum stellen, wie es Adolf Hitler als wahnsinniger denn geschafft hat, mehrmals auf dem Titelblatt des US Times Magazins zu erscheinen, und im Jahre 1938 gar zum “Mann des Jahres” gewählt zu werden (nachzulesen auf history.ucsb.edu):

Foto-Quelle: history.ucsb.edu

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